Die Lohnverhandlung

Im Regelfall wird das Angebot für eine Gehaltserhöhung nicht vom Vorgesetzten angesprochen, sondern ist ganz klar vom Arbeitnehmer anzufragen. Wird eine überdurchschnittliche Leistung auf längere Sicht praktiziert, sollte eine gut geplante Lohnverhandlung (eigentlich) zum Ziel führen. Eine realistische Selbsteinschätzung wird dabei vorausgesetzt, ebenfalls sollte zwischen dem Firmeninteresse und einer wirklichen „Überleistung“ unterschieden werden können. Liegen nämlich die Eigenbewertungen weit außerhalb jeglicher Realität, kann solch ein Mitarbeitergespräch genau das Gegenteil bewirken. Die Forderung nach einer Lohnerhöhung ist also trotz Motivation und guter Dinge mit Vorsicht zu genießen. Damit von einer vielversprechenden Vorbereitung gesprochen werden kann und die bevorstehende Gehaltsverhandlung erfolgreich über die Bühne geht, möchten wir dir ein paar Tipps und Tricks an die Hand geben.

Die  richtige Lohnverhandlung

Steht mir die Lohnerhöhung überhaupt zu?

Das ist eine sehr gute Frage, welche vor dem Gespräch unbedingt geklärt werden sollte. Schlussendlich ist es die Entscheidung eines jeden Mitarbeiters selbst, allerdings sollte eine Gehaltserhöhung nicht ohne wesentliche Rechtfertigung beantragt werden. Bei österreichischen Unternehmen ist es üblich, dass die Forderung nach einem Jahr gestellt werden kann. Oftmals wird bereits im Arbeitsvertrag ein Einstiegsgehalt und dessen Erhöhung nach einem Jahr Firmenzugehörigkeit vereinbart. Das gilt es also vorerst zu prüfen, denn sollte eine derartige Klausel hinterlegt sein, muss die Forderung nach einem höheren Lohn wohl oder übel um ein weiters Jahr hinausgezögert werden. Es wäre nicht realistisch, trotz automatischer Aufstockung des Gehalts, um eine weitere Steigerung anzufragen.

Sind folgende Eventualitäten gegeben, kann nach einer Gehaltserhöhung gefordert werden:

  • 1 erfolgreiches Jahr Firmenzugehörigkeit (ohne Einstiegsgehalt mit automatischer Gehaltserhöhung)
  • Abschluss eines erfolgreichen Projekts
  • Abschluss einer Weiterbildungsmaßnahme (Studiumabschluss, Diplom, Kursabschluss, etc.)
  • Übernahme eines neuen Verantwortungsbereich
  • Tätigkeitsübernahme eines kurzfristig ausgefallenen Arbeitskollegen für längere Zeit
  • Eine Lohnerhöhung liegt bereits mehr als 2 – 3 Jahre zurück und es kann eine Leistungssteigerung vorgewiesen werden

Die Vorbereitung auf eine Gehaltsverhandlung

Die Vorbereitung auf eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung ist das A und O. Zu erst ist eine ordentliche Selbstreflektion abzulegen, dabei muss dem Arbeitnehmer klar sein, welche Qualifikationen, Tätigkeiten und das gewisse Engagement eine Lohnerhöhung rechtfertigen. Für den Beginn ist es einfach, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Entspreche ich den Anforderungen meines Vorgesetzten vollständig?
  • Lege ich die nötige Motivation und Freude an den Tag, diese stehts zu übertreffen?
  • In wie fern hat sich mein Tätigkeitsgebiet seit der Einstellung verändert bzw. erweitert?
  • Habe ich mehr Verantwortung übernommen, bzw. wäre ich dazu bereit?
  • Habe ich eine gewisse Führungsrolle innerhalb meiner Arbeitskollegen übernommen?
  • Biete ich mich als unterstützender Arbeitskollege für andere oder Neulinge an?
  • Interessiere ich mich für Tätigkeiten, die eigentlich nicht in meiner Verantwortung liegen?
  • Kann ich mich mit meinem Wissen und meiner Arbeitsmoral von den anderen abheben?
  • Leiste ich ohne Mühe Überstunden und arbeite stehts loyal gegenüber meinem Unternehmen?
  • Sehe ich Überstunden als Firmeninteresse oder möchte ich jede Kleinigkeit entlohnt bekommen?
  • Konnte ich zu den gestiegenen Umsatzzahlen und dem gesamten Unternehmenserfolg beitragen?

Nicht alle Aussagen müssen zutreffen, um den Vorgesetzten nach einem Termin zu bitten. Favorisiere 3 Situationen, matche sie mit passenden Beispielen aus der beruflichen Vergangenheit und schreibe eine Zusammenfassung, wie du in ausgewählten Situationen gehandelt hast. Beispielsweise wurde die Rolle einer Führungsposition übernommen, oder eine verantwortungsbewusste Entscheidung für das Wohl der Firma oder von Mitarbeiter*innen getroffen. Ein Projekt forderte viele Überstunden und/oder generell einen langanhaltenden Atem. Das selbstverständliche Übernehmen von Tätigkeiten einer abwesenden Person ist ebenfalls ein beeindruckendes Argument für eine Lohnverhandlung, denn das Unternehmen legt großen Wert darauf, dass ein Tagesgeschäft auch während einer kurzfristigen Unterbesetzung erfolgreich weitergeführt wird. Jede Rechtfertigung braucht Praxisbeispiele.

EIN TIPP: Führe eine Statistik von Überstunden, überdurchschnittlichem Engagement gegenüber besonderen Tätigkeiten, Projektunterstützungen oder Ideen zu Gunsten des Arbeitgebers. Mit diesen Notizen wird die Vorbereitung auf eine Gehaltsverhandlung ein Kinderspiel.

Fakt ist, dass die gebrachte Leistung überdurchschnittlich sein muss. Diese gilt es ebenfalls realistisch zu argumentieren, denn eine gute Kommunikation ist in Sache Verhandlungen eine essenzielle Eigenschaft. Müssen wir unser Gegenüber von etwas überzeugen, ist eine durchdachte und extrovertierte Vorgehensweise von Nöten, und genau dafür sollen die vorgestellten Fragestellungen unterstützen.

Der Unterschied ist nach einem ersten vollendetem Arbeitsjahr, in diesem Falle genügt das erteilte Tätigkeitsgebiet effektvoll meistern zu können.


Besser geht’s nicht – Unser Tipp zum wirklichen Erfolg

Die aus den Fragestellungen gewonnene Zusammenfassung als qualifizierter Mitarbeiter dient nicht nur der Inspiration und Hilfe für eine Selbstbildreflektion. Erstelle daraus eine tabellarische und gut strukturierte Präsentation (max. 1 A4-Seite), indem du die Argumente nach Wertigkeit und Relevanz sortierst. Dieses perfektionierte Dokument dient für dich als Leitfaden innerhalb des Gesprächs und wird gleichzeitig deinen Vorgesetzten positiv überraschen. Überlasse ihm die Unterlagen, denn das nochmalige Durchlesen wird sich bei ihr/ihm verinnerlichen. Es ist üblich und nicht zu vermeiden, dass gerade in größeren Unternehmen der Überblick von Mitarbeiter*innen und deren Kompetenzen verloren geht. Mit der vorgestellten Vorgehensweise kannst du genau dem entgegenwirken.


Der wichtige Plan B als Alternative zur höheren Entlohnung

Die Selbstreflektion dient gleichzeitig der momentanen Standplatzorientierung. Mit welcher Qualität und Verantwortung kann in diesem Moment geglänzt werden und in welcher Entfernung liegen die gesteckten Karriereziele. Das Karriereziel ist in diesem Absatz das wichtige Schlagwort. Denn auch über deren Entwicklungsmöglichkeiten sollte sich vor einem Gespräch über Gehalt und co. Gedanken gemacht werden. Sollte nämlich der Vorgesetzte noch nicht ganz von der Leistung des Mitarbeiters überzeugt sein, übergeht die Konversation üblicherweise in eine Art Karrieregespräch. Mittels Zielvereinbarung werden dem Arbeitnehmer definierte Projekte übergeben, die es innerhalb eines Jahres zu erfüllen gilt. Anhand der präsentierten Ergebnisse kann die tatsächliche Qualität gemessen werden, ebenfalls werden die Reaktionen in Stresssituationen genaustens unter die Lupe genommen. Die Gelassenheit gegenüber Druckausübungen „von oben“ ist in der Tat für jeder Mann eine Herausforderung!

Mehr Informationen bezüglich Zielvereinbarungen und Karrierebesprechungen findest du in unserem Beitrag über das Mitarbeitergespräch.

Auf den neuen Gehalt einstimmen

Leistungssportler, Verkäufer und viele andere mehr haben gelernt, sich anhand von Visualisierungsübungen auf ihre Ziele vorzubereiten. Auch die Vorstellung einer Gehaltsverhandlung sollte im Gedanken positiv ablaufen, dass auch das Erfolgserlebnis am Ende erreicht wird. Innerhalb eines Kopfkinos können die Argumentationsketten final durchgeprobt werden, dabei sollte auch an alle Eventualitäten gedacht werden. Auch wie oben vorgestellt, sind die klaren Karriereziele ein wichtiger Bestandteil davon. Eine „Generalprobe“ verleiht Sicherheit und Souveränität, die uns schon viel lockerer an den Verhandlungstisch sitzen lassen. Einfach einmal ausprobieren, oder auch in ein Rollenspiel mit Freunde tauchen. Ein bisschen Humor schadet auch bei eintönigen und trockenen Gesprächen nie, zumindest nicht in Gedanken.


Das richtige Timing

Sofern eine Assistenz die Termine für den Vorgesetzten festlegt, ist eine sinnvolle Abstimmung von großem Vorteil. Die Assistenz ist über den Tagesplan informiert und kennt etwaige wichtige Meetings mit Geschäftspartner, nach denen eine Lohnverhandlung etwas unpassend fallen würde. Handelt es sich grundsätzlich um einen Morgenmensch oder werden die stressigen Termine hauptsächlich auf die andere Hälfte des Tages gelegt? Im Grunde kann definiert werden, dass sich beispielsweise der Montag oder der Dienstag nicht für eine derartige Konversation eignen. Plane die Terminsetzung also besser erst zwischen Mittwoch und Freitag. Je näher das Wochenende näher rückt, desto besser für komplexe Verhandlungen.

UNSER FAZIT FÜR DICH

Wird eine Lohnverhandlung taktisch vorbereitet und eine aussagekräftige Zusammenfassung zum Gespräch mitgebraucht, stehen die Erfolgschancen sehr gut. Wichtig ist, dass auch die Selbsteinschätzung realistisch argumentiert werden kann, sowie man auch selbst von einer Lohnerhöhung überzeugt ist. Genau diese Überzeugung lässt uns automatisch souveräner auftreten und wir signalisieren dem Gegenüber, dass die Leistung definitiv mehr Entlohnung rechtfertigt.

Die Karriereziele sind nicht zu vergessen, da eine Gehaltsverhandlung nicht unüblich in eine Zielvereinbarung übergehen kann, sollte der Vorgesetzte noch nicht ganz derselben Meinung sein, als der fordernde Mitarbeiter. Innerhalb dieses Karrieregespräch sind eine klare Vorstellung der beruflichen Zukunft und Weiterbildungsmöglichkeit sehr wichtig.

Dein Team von steirerjobs.at

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