Positive Psychologie am Arbeitsplatz – was steckt dahinter?

Schon einmal von positiver Psychologie gehört? Die meisten von uns gehen zum*zur Psycholog*in, wenn sie mit negativen Emotionen wie Wut, Trauer oder Angst konfrontiert sind. Seit Anfang der 2000er bemühen sich jedoch immer mehr Psycholog*innen, positive Gefühle bewusst zu erzeugen und in ihrer Praxis anzuwenden. Doch wie sieht das sogenannte Glückstraining in der Praxis aus und lassen sich die Erkenntnisse auch am Arbeitsplatz anwenden?

Positive Psychologie am Arbeitsplatz

Positive Gefühle und persönliche Stärken

Die Relevanz positiver Psychologie

In den frühen 2000ern fand der Psychologe David Myers heraus, dass sich die Lehre des Erlebens und Verhaltens von Menschen überwiegend den dunklen Gefühlen gewidmet hatte. Zwischen 1887 und 1999 erschienen sage und schreibe 170.000 Artikel zu negativen Gefühlen, während Artikel zu positiven Gefühlen wie Freude und Glück die Ausnahme bildeten. Gerade die Erkenntnisse der positiven Psychologie werden heute dringend benötigt. Laut Arbeiterkammer Österreich sind psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch und machen rund ein Drittel der arbeitsbedingten Gesundheitsprobleme aus.

Der Ursprung des Glückstrainings

Zu den wichtigsten Vertretern der positiven Psychologie gehört der amerikanische Psychologe Martin Seligman. Er und andere Vertreter*innen des Fachs betonen, dass Patient*innen nicht wieder und wieder Krisen und schwierige Situationen durchleiden sollen, sondern sich auf positive Gefühle fokussieren sollten.

Im sogenannten Glückstraining sollen sich Patient*innen intensiv ihren persönlichen Stärken widmen. Jeden Abend werden beispielsweise drei schöne Dinge, die man tagsüber erlebt hat, notiert. Die Patient*innen sollen sich außerdem vorstellen, welche erfreulichen Dinge in einem Nachlass über sie selbst erwähnt werden können.

Das Führen eines Dankbarkeitstagebuchs

Eine tolle Übung für eine positive Einstellung zum Leben ist auch das Führen eines Dankbarkeitstagebuch. Jeden Morgen nach dem Aufstehen oder jeden Abend vor dem Schlafen gehen, kannst du dir bewusst 15 Minuten Zeit für dich selbst nehmen und jene Dinge notieren, für die du in deinem Leben dankbar bist.

Glücksgefühle fördern

Glücksgefühle können auch gefördert werden, indem man stressfreien Beschäftigungen nachgeht. Ob Stricken, Handlettering oder Aquarell malen – es gibt viele schöne Beschäftigungen, bei denen man vollkommen die Zeit vergessen kann. Das sogenannte Glückstraining wendete Seligman einst an einer kleinen Experimentalgruppe an. Bereits nach 14 Sitzungen zeigten zwölf klinisch depressive Patient*innen eine Verbesserung ihrer Symptome. Verglichen wurden die Werte mit einer Kontrollgruppe, in der exzessiv negative Gedanken besprochen wurden.

Was macht ein*e Psycholog*in?


Wie entstehen intensive Glücksgefühle?

Wissenschaftler*innen haben herausgefunden, dass vor allem jene Menschen glücklich sind, die sich im sogenannten „Flow“ befinden. Doch wie entsteht dieser Flow, in dem sich der Mensch losgelöst von allen Problemen sieht und glücklich ist?

Im Fluss zu leben, kann erst dann gelingen, wenn gewisse Rahmenbedingungen stimmen. Wenn die Anforderungen an uns überdurchschnittlich hoch sind und auch unsere Kompetenzen überdurchschnittlich hoch sind, tritt der „Flow“ auf.

Sind die Anforderungen im Vergleich zu unseren Kompetenzen jedoch zu hoch, kann uns das leicht ängstigen und zu Überforderung führen. Umgekehrt führen unterdurchschnittliche Anforderungen und Kompetenzen zu Apathie. Menschen wollen sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Dabei ist es jedoch wichtig, dass die Herausforderungen unsere Fähigkeiten nicht übersteigen und uns nicht ängstigen. Dieser „Flow“ kann sowohl in der Arbeit, beim Sport als auch beim Nachgehen eines Hobbys gefunden werden.


Wie kann positive Psychologie am Arbeitsplatz gelingen?

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der uns immer mehr abverlangt wird. Zurücklehnen dürfen wir uns erst, wenn wir ein bestimmtes Projekt erfolgreich abgeschlossen haben oder wenn wir Überstunden angesammelt haben.

Bereits zu Schulzeiten wurde uns eingebläut:

„Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen!“

Dieser Glaube hält sich hartnäckig und gerade im Arbeitskontext fällt es vielen Menschen schwer positiv zu bleiben. Im Flow zu arbeiten und sich am Ende des Tages an die schönen Erlebnisse erinnern – das wäre für viele Arbeitnehmer*innen der Idealzustand.

Das Arbeiten im Flow gleicht einem Zustand höchster Produktivität, in der man Gespräche und die nähere Umgebung völlig ausblendet. Natürlich kann man diesen Zustand nicht täglich 24 Stunden aufrechterhalten.

Es gibt jedoch einige Tricks, die die Wahrscheinlichkeit eines „Flows“ am Arbeitsplatz erhöhen können:


Tipps zur Steigerung deiner Produktivität im Job:

  1. Versuche dich ganz bewusst auf eine Aufgabe zu konzentrieren.
  2. Zerlege die Aufgabe in viele kleine Einzelschritte und
  3. arbeite sie nacheinander ab.
  4. E-Mails oder Benachrichtigungen am Smartphone checken, sind in dieser Zeit tabu.

Die Promodoro-Methode

Als besonders hilfreich hat sich auch die Pomodoro-Methode herausgestellt.

  1. Dabei legst du vier intensive Arbeitsphasen zu je 25 Minuten ein.
  2. Wenn eine Phase geschafft ist, darfst du dir 5 Minuten Pause gönnen.
  3. Sobald du den 4-er-Block abgearbeitet hast,
  4. steht eine 15-minütige Pause am Programm.

Das psychische Immunsystem bei der Arbeit fördern

Positive Psychologie im Unternehmen stärkt das „psychische Immunsystem“ der Mitarbeiter*innen und Führungskräfte und bewahrt belastete Koleg*innen vor einem Burnout.

Was kannst du also tun, damit nicht nur du selbst positiv bleibst und im Flow arbeitest, sondern auch deine Kolleg*innen mit positiven Gefühlen ansteckst?

  1. Übe dich beispielsweise in Dankbarkeit und bedanke dich bei deinem Kolleg*innen für das erfolgreiche Projekt. Die gegenseitige Wertschätzung fördert außerdem das Arbeitsklima in der Abteilung.
  2. Stelle offene Fragen und teile deine positiven Gefühle mit deinen Gesprächspartnern.
  3. Wenn jemand aus dem Kollegenkreis eine Beförderung oder Gehaltserhöhung bekommt, gratuliere ihm und freue dich mit ihm*ihr. Wer positive Emotionen miteinander teilt, lebt langfristig glücklicher.
  4. Neben Wertschätzung und Gelassenheit stellt auch Humor einen wichtigen Faktor für Glück am Arbeitsplatz dar. Lach- und Humortechniken sind nicht schwer zu erlernen und erfordern lediglich etwas Mut. Ob selbstaufwertender, selbstabwertender oder sozialer Humor – gemeinsames Lachen sorgt für Glücksgefühle!

Außerdem haben Tiere einen überraschenden Einfluss auf unseren Berufsalltag:


UNSER FAZIT FÜR DICH

Bis Anfang des neuen Jahrtausends widmete sich die Psychologie fast ausschließlich der dunklen Seite der Seele. Nur circa 12.000 Artikel existierten zu positiven Gefühlen wie Glück und Freude.

Inzwischen widmen sich immer mehr Psycholog*innen der positiven Psychologie. In sogenannten Glückstrainings fokussieren sich Patient*innen auf ihre persönlichen Stärken und notieren jeden Abend drei besonders schöne Erlebnisse. Unser Hirn ist ein Muskel, der nur entsprechend trainiert werden muss. Wer sich jeden Tag eine viertel Stunde Zeit für sein Dankbarkeitstagebuch nimmt, wird langfristig dankbarer und glücklicher.

Im Arbeitskontext ist es oftmals nicht so einfach, positiv zu bleiben. Mit einfachen Übungen gelingt jedoch auch die Umsetzung von positiver Psychologie am Arbeitsplatz. Ob bewusstes und konzentriertes Arbeiten, gemeinsames Lachen oder Lob für den Kolleg*innen – all diese Dinge steigern unser Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

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